VORSICHT: Hier sind keine Triggersterne gesetzt ! ! !

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Ich verletze mich jetzt seit ca. sechs Jahren selbst. Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, wann ich mich das erste Mal geschnitten habe.
Es fing damit an, dass mein Bruder immer mehr abgedreht ist. Er begann zu kiffen und sein Freundeskreis veränderte sich. Zu Hause gab es immer öfter Streit zwischen ihm und meinen Eltern. Irgendwann wurde es so heftig, dass er sich mit meinem Vater prügeln wollte. Ich hab mich dann immer in mein Zimmer zurückgezogen und hab gegen die Wände meines Zimmers zu schlagen. Mir ging es immer schlechter, aber keiner hat es bemerkt. Ich wollte meinen Eltern nicht erzählen, wie es mir ging. Bei ihnen hatte ich immer das Gefühl, dass ich perfekt sein sollte, nachdem mein Bruder sich so stark verändert hatte.
In der Schule entwickelte ich mich langsam aber sicher, zum Mobbingopfer Nummer eins. Ich wusste nicht was ich machen sollte. In mir hatte sich mittlerweile so viel Wut, Hass und Angst aufgestaut. Ein paar mal wollte ich von zu Hause weglaufen, hab mich aber nicht getraut.
Ein paar Freundinnen von mir, haben zu der Zeit angefangen sich selbst zu verletzen – sie schnitten sich mit Rasierklingen in die Arme und Beine. Damals konnte ich das nicht verstehen. Wer fügt sich denn schon selbst freiwillig Schmerzen zu?!?! Und zeigt sie dann auch noch jedem mit dem Kommentar: „Sieh mal, ich schneide mich!“???
Irgendwann brauchte ich dann wohl einen Ersatz. Anstatt gegen Wände zu schlagen, fing ich auch an mich zu verletzen. Immer nur da, wo niemand es sehen konnte und nie sehr tief. Aber es reichte mir. Bei jedem Schnitt fühlte ich mich lebendig. Ich fühlte mich gut – bis dieses Gefühl abgelöst wurde von Selbsthass und Scham. Natürlich wusste ich, dass das nicht “normal“ war, aber irgendwie tat es doch gut.
Ich schnitt mich auch nicht sehr oft, da ich Angst hatte, dass jemand etwas davon mitbekam. Zwischendurch war ich längere Zeiten “clean“, griff aber immer wieder zur Klinge.
Zwei Mal war ich kurz davor, mir das Leben zu nehmen. Ich habe es nicht getan. Ich habe es nicht getan, weil ich Angst hatte. Ich hatte Angst, wie meine Eltern das verkraften würden. Ich wollte den Menschen, denen ich etwas bedeute nicht wehtun, also habe ich mir lieber weiterhin wehgetan.
Mit der Zeit wurde es immer schlimmer, aber ich habe irgendwann erkannt, dass ich krank bin. SvV ist eine Krankheit. Es ist eine Sucht. Aber man kann dagegen kämpfen. Man kann eine Therapie machen.
Mittlerweile wissen meine Eltern und mehrere Freunde davon. Meine Freunde unterstützen mich total und ich habe eine Therapie angefangen.
Ich will kämpfen! Ich will irgendwann von dieser “Sucht“ loskommen und meine Gefühle auf eine andere Weise ausleben! Ich will schwimmen gehen können, Röcke und kurze Hosen tragen können! Ich will mich nicht länger verstecken müssen!
Bis dahin ist es wohl noch ein langer, schwieriger Weg, aber ich kann das schaffen!!!